Unsere Geschichte

Friedel Schwarz, Helmut Thielen

Geschichte der Soldaten der "Freien Reichsstadt Cölln"
genannt "Rote Funken"

Vorwort
In der Kölner Stadtgeschichte und in der Öffentlichkeit werden Anstrengungen oder gar Verdienste der alten Kölner Stadtsoldaten nicht im geringsten gewürdigt. Im Gegenteil: Von ihnen wird behauptet, dass sie für nichts zu gebrauchen waren.

Der bekannte Kölner Journalist Helmut Signon schrieb 1972 in einem Buch anläßlich des 150-jährigen Bestehens der "Roten Funken" über deren Vorgänger:

Die abgezehrten, meist alten, müden und leicht bedusselten Komißköppe wurden herumgeschubst und verspottet. Ihre Dummheit war sprichwörtlich, und ihr armseliges Duldertum äußerte sich im Strümpfestricken, während das Gewehr traurig an der Wand lehnte."

Ein Jahr später -1973- hieß es im "Jubiläums, Fess- und Leederheff" der Roten Funken:

Die 1660 zur Wahrung innerstädtischer Ordnung und Sicherheit aufgestellten Berufssoldaten-Truppe bestand aus 166 Mann und war mehr eine Wach- und Polizeitruppe als eine kriegerische. Sie setzte sich aus vielerlei abenteuerlichen Gestalten zusammen, deren Ruf nicht der Beste war. Der Sold war gering, die Disziplinarstrafen hart: Stockschläge, Straf- eselreiten und Arrest."

Und noch ein Beispiel: Der unvergessene Funkenpräsident Eberhard Hamacher (Hardes vun Fluh) schrieb 1964 über das Ende der Kölner Stadtsoldaten wie folgt:

Als im Jahre 1794 die Franzosen als Eroberer vor den Mauern Kölns erschienen, ergriffen bei den ersten Schüssen die niemals tapfer gewesenen Stadtsoldaten die Flucht und waren plötzlich verschwunden, wie von der Erde verschluckt; manche Einrichtung der damaligen Zopfzeit teilte dieses Schicksal mit ihnen. Aus dem allgemeinen Wirrwarr ist keine Kunde gekommen, die etwa die formelle Auflösung dieser städtischen Soldateska anzeigte. Wie es heißt, seien die Funken damals nach Mainz geflohen."

Dies jedoch, und hier räumt eine neue Funkengeschichtsschreibung mit den weit verbreiteten Vorurteilen auf, ist nicht der Feigheit der Funken zuzuschreiben, vielmehr der Übermacht des Gegners und der Tatsache, dass 236 Funken, zusammen mit den anderen mittlerweile dem Reichsheer angehörenden Soldaten 1794 nach Mainz verlegt wurden und drei Jahre später nach Philippsburg in die Nähe von Speyer zogen. Hier wurde der Funkenkommandant von Klespe sogar zum Platzmajor ernannt.

1799 berannten die übermächtigen Franzosen die Festung, viele der Verteidiger fielen oder kamen in französische Gefangenschaft. Der Rest von 37 Mann wurde in die Nähe von Hambach am Main verlegt. Nach der Auflösung des Reichsheers kehrten hiervon ganze 17 Funken in ihre Heimatstadt Köln zurück. Aus der Gefangenschaft kamen später auch noch 80 Mann "zo Foß noh Kölle".

Der Kölner Heimatforscher Friedel Schwarz beschäftigte sich lange mit der Geschichte der alten Kölner Stadtsoldaten. Ihm ist es zu verdanken, dass es heute eine (fast) lückenlose, historisch haltbare Geschichte der "ähnze Funke" gibt. Von deren Entstehung ca. 1660 über den Auszug aus Köln im Jahre 1794, ihr Wirken in den Revolutionskriegen bis 1801 bis zu ihrem Wiederauftreten im Jahre 1823 wird im folgenden berichtet.