Die Ulrepforte

Daten und Fakten zur Geschichte eines Stadttores

Die Ulrepforte war Teil der mittelalterlichen Mauer (3. Stadterweiterung) der freien Reichsstadt Köln. Sie liegt in der Nähe der früheren Gemarkungsgrenze zwischen dem Bezirk des Severinsklosters (Stift Severin) und dem Bezirk des Klosters St.Pantaleon (Benediktiner-Abtei) im südwestlichen Bereich der Stadt. Als Stadttor gebaut, hat die Ulrepforte diese Funktion nicht lange wahrgenommen. Sie lag an keiner der damals wichtigen Strassen, welche die Stadt Köln mit dem Umland verbanden (wie z.B. Severinsstrasse, Weyerstrasse (heute: Luxemburgerstr.), Aachenerstr., Neusserstr.). Die Toranlage diente wohl ursprünglich nur dem Zugang zu den unmittelbar vor den Mauern liegenden landwirtschaftlichen Flächen (Severinsfeld; Pantaleonsfeld, später: Sülzer Feld), die zu Köln gehörten und von Kölner Bürgern bzw. deren Pächtern bewirtschaftet wurden.

Bedeutung in der Stadtgeschichte erlangte die Ulrepforte im 13.Jahrhundert, weil in ihrer unmittelbaren Nähe der Überfall auf die Stadt Köln durch den von den Kölner Bürgern vertriebenen Erzbischof Engelbert II. erfolgte (15. Oktober 1268). Mit Hilfe eines Verräters, die Überlieferung nennt den in einem Haus an der Stadtmauer wohnenden Schuster Havenith, wurde ein Durchlass unter der Stadtmauer gegraben. Der Überfall blieb erfolglos und die Stadt Köln unabhängig.

Im 15. Jahrhundert wird an die Ulrepforte eine Mühle für das nahegelegene Kartäuserkloster angebaut. Sie erhält den Namen Kartäuser-Mühle. Weitere Um- und Ausbauten erfolgen bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts, zuletzt durch die Familie Guilleaume.

1907 fällt die Ulrepforte durch eine Schenkung an die Stadt Köln, die sie als Gaststätte verpachtet.

1955 übernehmen die "Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e.V.", die sich u.a. als Nachfolger der ehemaligen kölnischen Stadtsoldaten verstehen, die Ulrepforte in Erbpacht. Die Gesamtanlage wird bis heute mit hohem finanziellen und ideellem Aufwand restauriert und für Vereinszwecke genutzt.

Die Ulrepforte ist eigentlich nur das alte Stadttor. Heute wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Gesamtanlage, also das Tor, der Mühlenturm und die Kaponniére, als Ulrepforte bezeichnet.

Beim Ulretor handelt es sich um ein sog. Doppelturmtor, einen mehrgeschossigen Mittelbau mit Durchfahrt. An den feldseitigen Kanten sind Schalen oder Röhren angefügt. Im Südwesten der Stadt, wo sich unübersichtliches Gelände -auch vor dem Ulretor- erstreckte, überragte der Mittelbau der Stadttore die Flankentürme um ein zusätzliches Geschoß. Das Prinzip der Doppelturmtore geht auf römische Ursprünge zurück. Gleichwohl sind lt. Prof. Dr. Udo Mainzer die Tore Kölns eine eigenschöpferische Leistung, welche die Blüte Kölner Baukunst widerspiegelt.Nach seiner Auffassung war die spätstaufische Bewehrung der Stadt Köln der Anfang der nun eintretenden Welle von Stadtbefestigungen im Rheinland.

Der Name

Der Name der Ulrepforte hat nichts mit dem Namen Ulrich zu tun, was naheliegt, und was man auch aus dem Namen der angrenzenden Strasse, der Ulrichgasse, folgern könnte. Auch "Eulen" haben nichts zur Namensgebung beigetragen, wie man aus dem Dialektwort „Ülepooz" schliessen könnte.

Der Name stammt vielmehr von dem mittelhochdeutschen Wort "Ulner" oder auch "Euler" ab, was soviel bedeutet wie "Töpfer". Der ursprüngliche Name Eulergasse findet sich auch im Mercator-Plan der Stadt Köln wieder (1571), dem ältesten bekannten Kölner Stadtplan.

Die Töpfer mußten aus Sicherheitsgründen in dieser Gegend, weitab von bebauten und somit brandgefährdeten Stadtteilen siedeln und arbeiten. Hier befanden sich im Mittelalter nur Obst-, Gemüse- oder Weingärten sowie vereinzelte Hofanlagen.

Die immer wiederkehrende Streitfrage, ob es nun "Ülepooz" oder Ühlepooz" heißt, ist damit eigentlich auch entschieden. Da der Ursprungsname kein "h" enthält, müsste man auch Ülepooz ohne "h" schreiben. Aber der kölsche Dialekt -und künftig auch die deutsche Sprache- sind flexibel und somit sind beide Schreibweisen erlaubt!

Einzelheiten zur Geschichte

1154 ging von der Abtei St. Pantaleon, die Sitz der erzbischöflichen Hofhaltung war, die Anregung aus, die zwischenzeitlich im Vorfeld der 2. Stadtmauer errichteten Klöster und Stifte in einen sicheren Mauergürtel einzubeziehen.

Um 1179/80 begannen die Kölner Bürger mit Erd- und Bauarbeiten für die -seit langem geplante große -die Stadt im Halbkreis umfassende- Mauer. Dies führte zum Streit mit dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg. Die in diesem Jahr begonnenen Befestigungsarbeiten haben die Ausdehnung der Stadt auf über 700 Jahre festgeschrieben.

27. Juli 1180 beurkundet Erzbischof Philipp von Heinsberg den Kölner Bürgern, daß der "Streit um Wall und Graben" durch den Schiedsspruch des Kaisers gemäß dem Rat der Fürsten geschlichtet sei. Die Urkunde wird am 18. August 1180 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa bestätigt.

ab 1200 ist der Bau der Stadtmauer belegt. Sie wurde auf zuvor angeschütteten Erdwällen errichtet (monumenta Germaniae). Vor diesen Erdwällen wurde ein Graben von ca. neun Metern Tiefe ausgehoben. Die Stadttore entstanden in der Zeit von 1210 bis 1250. Nach den Forschungen des Landeskonservators Prof. Dr. Udo Mainzer gehört das Ulretor zu den bereits im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts -also den bis ca. 1230- entstandenen Toren. Ein zweite Gruppe von Toren entstand um 1250. Die Ulrepforte gehört somit zu den ältesten Profanbauten in Köln.

30. April 1207 gestand König Philipp II. -bei einem Aufenthalt in Köln- der Stadt Köln das Recht zur selbstständigen Instandhaltung und Erweiterung der Befestigung aus eigenen Mitteln und damit die volle Wehrfreiheitzu.

1212 erlaubte Kaiser Otto IV. den Kölnern zum Zwecke des Ausbaus ihrer Befestigungen die Erhebung eines "Mahl- und Braupfennigs" je Malter Getreide für einen Zeitraum von drei Jahren. Aus diesem Sachverhalt kann geschlossen werden, dass weitere zusätzliche Finanzmittel für den bau der Stadtmauer nicht erforderlich waren. Demnach kann der Abschluß der ersten Bauarbeiten (und somit auch die Fertigstellung des Ulretores) für die Jahre 1215 bis 1220 angenommen werden.

Um 1220 ist der Bau der Stadtmauer weitgehend abgeschlossen. Sie hat auf der sog. Feldseite 50, an der Rheinseite 16 Mauertürme. Der Bau der Stadttore erfolgt danach schrittweise. (Demgegenüber geht Paul Clemen davon aus, dass die regelmässige Art des Anschlusses der Stadtmauer auf beiden Seiten der Tore die gleichzeitige Entstehung der Tore und der Stadtmauer zu beweisen scheint)

1238 erließ König Konrad IV. ein Edikt, wonach Orte mit Stadtrecht Mauern von mind. 18 Fuß Höhe (ca. 5,65 m) und mind. 4 Fuß Stärke (ca. 1,25m) haben müssen.

1245 erste Erwähnung eines Stadttores an dieser Stelle (Ulrepforte) im Schreinsbuch der Pfarrei St. Severin.

Ca. 1259 Fertigstellung der neuen Stadtmauer (3. Stadterweiterung). Sie um-fasst eine Fläche von rd. 400 ha und ist die größte ummauerte Stadt nördlich der Alpen.

14./15. Oktober 1268 "up der heiliger More naicht" dringen die Anhänger von Erzbischof Engelbert II. und des Geschlechterverbandes der Weisen in der Nähe der Ulrepforte in die Stadt Köln ein. Einige Männer kriechen -mit Hilfe des unmittelbar an der Mauer wohnenden armen Schusters und Kerzendrehers Havenith- durch einen Durchbruch unter der Stadtmauer hindurch und öffnen die Ulrepforte von innen. In blutiger Schlacht wird der Überfall von den Kölner Bürgern unter Führung der Overstolzen abgewehrt. Etwa 100 Jahre später lässt die Stadt Köln am Ort des Durchbruchs zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis ein Steinrelief anbringen (heute Replikat, Original im Stadtmuseum). Es ist dies das älteste profane Denkmal in Deutschland.

1271 söhnten sich Erzbischof Engelbert von Falkenburg und die Stadt Köln aus. Albertus Magnus entwarf den Sühnevertrag, in dem Engelbert die Freiheiten Kölns anerkannte. In den Berichten über dieses Ereignis wird dieses Stadttor erstmals als Ulrepforte bezeichnet. Das Tor war von zwei halbkreisförmigen, nach innen (Stadtseite) offenen Halbtürmen, flankiert. Die Halbtürme dienten zum einen der Stabilisierung der Mauer (damit sie nicht umkippte) und zum anderen ermöglichten sie es den Verteidigern der Stadt, aus einer vor der Stadtmauer liegenden, geschützten Position, parallel zu derselben zu schießen. Das Ulretor war rd. vier Meter breit. Es hatte somit den schmalsten Durchgang der kölnischen Stadttore.

Nach der vermutlich seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bestehenden städtischen Wachtordnung, die erst 1583 durch eine neue Ordnung aufgrund sog. Kolonellschaften (Bezirke) abgelöst wurde, war es Aufgabe der Gaffeln bestimmte Abschnitte der Stadtmauer zu sichern. Dem Brauamt war für den Verteidigungsfall die Mauer am Kartäuserwall, vom Turm östlich bis zum dritten Turm westlich der Ulrepforte zur Bewachung zugewiesen. Die Brauer mussten 16 Mann stellen, je drei sollten die vier Türme und vier Mann die Ulrepforte besetzt halten. Die Ulrepforte und der 2. und 3. westliche Turm stehen noch heute. Die Türme befinden sich ebenfalls im Besitz alter Traditionskorps des Kölner Karnevals, der Blauen Funken und der Prinzengarde. Beide Gesellschaften sind 1871 bzw. 1906 aus den Roten Funken hervorgegangen.

1446 wird ein Umbau erwähnt, näheres ist jedoch nicht bekannt. Spätestens zu dieser Zeit wurde die Anlage als Stadttor aufgegeben. In das Halbrund des nord-westlichen Halbturms wird ein runder Mühlenturm eingebaut, dem man eine Windmühle (Kappenmühle) aufsetzte. Der für den Mühlenbetrieb benötigte ca. fünf Meter breite Umgang oberhalb des Mahlwerks wurde dadurch hergestellt, daß man diesen stadtseitig mit acht hohen Bogenstellungen an den Turm anbaute. Auf der sog. Feldseite wurden dafür die bis dahin offenen Halbtürme mit einem flachen Dach versehen.

1453-1468 baute man an der Feldseite ein Vorwerk, "Kaponnière" genannt, an. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Festungsgebäude, welches fast ganz im damaligen Stadtgraben, der rd. neun Metern Tief war, verschwand. Die Dicke der Außenwand beträgt rd. 1,60 Meter, die sich in den Pfeilerbereichen auf ca. 1,80 Meter erweitert. Das Dach ist an den dünnsten Stellen ca. 1,20 Meter dick. Der notwendige separate Zugang zur Kaponnière war mit einem befestigten Gang, der durch das alte Stadttor betreten wurde, gewährleistet.

1644 wurde eine Wohnung für den Kartäuser-Müller in den süd-östlichen Halbturm eingebaut. Dieser erhielt dabei ein Spitzdach, sowie einen Anbau in Richtung der heutigen Strasse Kartäuserwall.
Anlaß war, daß die Mönche des gegenüberliegenden Kartäuserklosters beim Rat der Stadt Köln darüber Klage geführt hatten, daß die im Turm liegende Müllerwohnung "uns wegen der Aussicht sehr lästig ist und an einen Ort unterhalb des Turms verlegt werden solle" (gemeint war wohl der damals noch überbaute Umgang, der sog. Müllergang; vgl. auch den Stich von Samuel Prout, 1824).

Die Stadt (die Ulrepforte war zu diesem Zeitpunkt offensichtlich im (Mit-)Besitz der Stadt Köln) und das Kloster finanzierten den Neubau der Müllerwohnung gemeinsam mit rd. 280 Talern.
Der so erreichte Bauzustand erhält sich dann bis in das 19. Jahrhundert, wie eine zeichnerische Bauaufnahme aus dem Jahre 1881 belegt. Der Kölner Architekten- und Ingenieurverein -AIV- hatte unter seinem damaligen Vorsitzenden Wiethase eine Dokumentation der stadtkölnischen Mauer und insbesonders der Torburgen veranlasst, bevor diese in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts niedergerissen wurden.
Das Ergebnis dieser Arbeiten wurde als Buch "Cölner Thorburgen und Befestigungen 1180 - 1882" im Jahre 1883 veröffentlicht. Auf der Grundlage dieser Zeichnungen wurden die Rekonstruktionsarbeiten des süd-östlichen Halbturms in den Jahren 1993/94 durchgeführt.

1682 In dieses Jahr datiert Paul Clemen den Einbau der Müllerwohnung.

1670/71 wurden die reichsstädtischen Befestigungsanlagen wegen der fortwährenden Bedrohung durch Frankreich und Kurköln verstärkt und ausgebaut. Rund 114 000 Gulden wurden für Arbeiten an neuen Befestigungsanlagen ausgegeben.
Bereits seit den 1630er Jahren wurden die Festungswerke der Stadt nach und nach ausgebaut oder erneuert. So wurde 1646 ein Bollwerk vor dem Eigelsteintor errichtet; 1667 wurden die Arbeiten in größerem Umfange wieder aufgenommen und gleichzeitig die Zahl der Stadtsoldaten und die Menge des Kriegsgerätes aufgestockt. 1670/71 wurde für 12 000 Reichstaler ein Bollwerk zwischen Severinstor und dem Weyertor angelegt, welches auch die Befestigungsanlagen des Ulretores mit umfasste.

1827 ist im Urkataster der Stadt Köln (Handriss) eine Witwe Herriger als Eigentümerin verzeichnet. Die in dieser Karte dargestellte Parzellenaufteilung, die auch einzelne Teile der Gesamtanlage eigentumsrechtlich separiert, deutet auf mehrere Eigentümer der verschiedenen Gebäudeteile in den vorhergehenden Jahren hin.

1841 wurde die Ulrepforte an die Familie Hochkirchen verkauft.

11. Juni 1881 begann der Abriss deralten Kölner Stadtmauer, um das weitere Wachstum der Stadt Köln zu ermöglichen. Zuvor war der Festungsstatus der Stadt, der bis dahin jede Entwicklung verhinderte, von der preussischen Staatsregierung aufgehoben worden. Zwei Türme (Bottmühle und Ulrepforte), drei Tore (Severins-, Hahnen- und Eigelsteintor sowie drei Teilstücke der Mauer (an der Bottmühle, am Sachsen- und am Hansaring) wurden zu historischen Denkmälern erklärt und vom Abbruch verschont. Der Anschluß der ehemaligen Stadtmauer ist noch heute an beiden Seiten der Ulrepforte zu erkennen.
Um die gleiche Zeit ging die Ulrepforte in den Besitz der Familie Guilleaume über, die in unmittelbarer Nähe -auf dem Gelände der heutigen Berufsschule Ulrichgasse- eine Seilerei betrieb.

1885/86 wurde die alte Kartäusermühle durch den neuen Eigentümer abgebaut und der Turm erhielt seine heutige Höhe sowie eine neue, neugotische Turmhaube. Auf der Kaponniére wurde eine Gaststätte in neugotischem Stil erbaut. Das Lokal war unter dem Namen "Zur guten Bierquelle" bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts bekannt. Architekt des damaligen, neugotischen Aufbaus war der Diözesanbaumeister Vincenz Statz. Diese Funktion hatte er damals schon inne und er war bekannt für seine umfangreiche "Nebentätigkeit".

1907 schenkte Frau Kommerzienrat F.C. Guilleaume die Ulrepforte an die Stadt Köln zurück. Die Gastronomie wurde verpachtet.

Im 2. Weltkrieg diente die Ulrepforte als Luftschutzraum. Durch Kriegseinwirkungen wurde sie schwer beschädigt. Der Kaponnièren-Aufbau des Jahres 1885 wurde zerstört. Eine Nutzung des Gebäudes fand nach dem Kriege nicht mehr statt.

1955 wurde die Ulrepforte durch die "Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e.V." unter ihrem Präsidenten Eberhard Hamacher in Erbpacht übernommen. Mehrere Entschuttungsaktionen, an der Spitze der Bürgermeister Theo Burauen (bei den Roten Funken "Gineral Flintenbein"), wurden durchgeführt. Die festliche Einweihung von Erdgeschoß und Turm fand am 30. September 1956 durch Oberbürgermeister Dr. Schwering statt.

1968 wurde dem Turm unter der Aufsicht der Stadtkonservatorin Dr. Hanna Adenauer die neue Wetterfahne, die zwei wibbelnde Funken zeigt, aufgesetzt.

1972 wurde das Kellergeschoss freigelegt und für unsere Vereinszwecke restauriert.

1991-1994 wurden umfassende Bauarbeiten durchgeführt.
So die Renovierung des hölzernen Turmumgangs mit umfassender Sanierung des Holzwerks und die Innensanierung des nord-westlichen Halbturms. Die Tuff-Innenausmauerung der alten Halbschale musste vollständig erneuert werden. Sie zeigt sich heute in einem hervorragenden Zustand und interessanten denkmaltechnischen Details (Balkenauflager einer Zwischendecke und Balkenauflager des Lehrgerüstes für das Gewölbe).
Es folgte die Sanierung und Rekonstruktion des süd-östlichen Halbturms auf der Grundlage der schon erwähnten Bauaufnahme von 1881. Einzelmaßnahmen waren: Sanierung der Aussenhaut, Wiederherstellen eines alten Fensters, Wiederherstellen des alten Wurferkers, Sanierung der Innenräume.
Den größten Aufwand erforderte der Wiederaufbau des historischen Spitzdaches auf diesem Turm (Teil der ehemaligen Wohnung des Kartäuser-Müllers). Dadurch konnten die seit dem 2. Weltkrieg bestehende provisorische und problematische Flachdachsituation (Eindringen von Wasser) bereinigt und im 2. Obergeschoss ein weiterer Raum für Vereinszwecke gewonnen werden.
Seit 1994, also 200 Jahre nach der Besetzung der Stadt Köln durch die Franzosen, weht nun wieder die Funkenfahne (als Wetterfahne) über der alten Kölner Stadtmauer.

1995-1997 Sanierung der Kaponniere durch Isolierung der Fundamente und Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadengliederung und des historischen Aussenputzes -ein Wechsel von glatt geputzten Pfeilervorlagen und zurückliegenden Flächen mit sog. Kellenputz.
Die Umgebung der Ulreporte wurde in diesem Zusammenhang von starkem pflanzlichen Bewuchs befreit, der die Fundamente bereits deutlich angegriffen hatte und im übrigen nicht der historischen Situation entsprach. Die Freiflächen neben der Ulrepforte wurden neu gestaltet.

1998 zum 175-jährigen Jubiläum der Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e.V. malte der Kunstmaler Raffael Becker im Stile der mittelalterlichen Tafelmalerei ein Triptychon "Geschichte der Ulrepforte". Auf den drei Teilen des Bildes wird die (vermutete) bauliche Situation der Ulrepforte im 13. Jahrhundert, die Bausituation im 17. Jahrhundert und im Jubiläumsjahr 1998 dargestellt. Die Darstellung des Bauwerks wird durch historisch belegte Szenen, sowie Text- und Bildcollagen, ergänzt.

2000/2001 wurde der Arkadenbereich des Mühlenturms saniert. Der Boden wurde mit einer Basalt-Pflasterung neu gestaltet. Das aufgehende Mauerwerk und die Säulen wurden gereinigt, schadhafte Stellen ausgebessert, neu verfugt und insgesamt unter Gesichtspunkten der Denkmalpflege saniert.

Für die Ermittlung der vorstehenden Sachverhalte wurden folgende Quellen benutzt:

* Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Hrsg. Peter Fuchs, Greven Verlag Köln, 1990, Band 1 und Band 2
* Carl Dietmar, Die Chronik Kölns, Chronik Verlag, Dortmund 1991
* Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Hrsg. Paul Clemen, Zweiter Band, IV. Abteilung, Die profanen Denkmäler, Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1930
* Udo Mainzer, Stadttore im Rheinland, Hrsg. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., Jahrbuch 1975, Verlag Gesellschaft für Buchdruckerei AG, Neuss
* Cölner Thorburgen und Befestigungen 1180 - 1882, Hrsg. Architekten- und Ingenieurverein für den Niederrhein und Westfalen, 1883
* Die Kölner Kartause um 1500, Hrsg. Werner Schäfke, Aufsatzband zur Ausstellung, Kölnisches Stadtmuseum, Köln 1991
* Helmut Signon, Stefan Volberg: Die Roten Funken von Köln, Hrsg. Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e.V., Köln 1989
* Urkataster der Stadt Köln von 1827, Handrisse der Feldaufnahme, Katasterarchiv der Stadt Köln, Vermessungsamt

Heinz Jürgen Müller (Wasserwooch)